23 Februar 2015

[Rezension] Ian McEwan - Kindeswohl


Familienrecht ist das Spezialgebiet der Richterin Fiona Maye am High Court in London: Scheidungen, Sorgerecht, Fragen des Kindeswohls. In ihrer eigenen Ehe ist sie seit über dreißig Jahren glücklich. Da unterbreitet ihr Mann ihr einen schockierenden Vorschlag. Und zugleich wird ihr ein dringlicher Gerichtsfall vorgelegt, in dem es um den Widerstreit zwischen Religion und Medizin und um Leben und Tod eines 17-jährigen Jungen geht.


♣ Ian McEwan ♣ Kindeswohl ♣ Diogenes ♣ 224 Seiten ♣ 21,90 €



Darf man über Leben und Tod entscheiden? Gegen den ausdrücklichen Wunsch des Patienten? Fiona Maye, gerade in einem Strudel der eigenen Gefühle gefangen, gerät in die prekäre Lage über das Leben eines fast volljährige Jungen zu entscheiden zu müssen. Adam ist bereit zu sterben, aber ist er sich den Folgen der Entscheidung überhaupt vollkommen bewusst?


 Meine Meinung
"Kindeswohl" ist mein erstes Buch von McEwan. Und nach dieser faszinierenden Lektüre, wird es wohl nicht mein letztes gewesen sein. Für mich war es eine ganz neue Erfahrung ein Buch zu lesen, dass aus so wenigen Dialogen besteht. Wenn ich es in ein Verhältnis setzten müsste, würde ich sagen das Buch bestand 1/4 aus Dialog, während der restliche Teil die inneren Konflikte von Protagonistin Fiona darstellte. Oft waren nebensächliche Unterhaltungen auch in kurzer Nacherzählung zusammengefasst. Bloß die zentralen, für die Handlung absolut wichtigen Dialoge, waren ausgeschrieben. Das war für mich sehr ungewohnt, aber doch sehr angenehm zu lesen. Meist habe ich die Erfahrung gemacht, dass wenn ein Buch zu wenig Dialog hat, ich dann die eine oder andere Seite zwischen den Dialogen auch mal bloß überflogen habe. In diesem Fall war ich Seite für Seite am Ball.

 Das Buch behandelt eine Thematik, die oft noch Tabuthema darstellt. Darf sich jemand in die medizinischen Entscheidungen eines anderen Menschen einmischen? Adam ist fast volljährig. Drei Monate trennen ihn davon seine eigenen Entscheidung treffen zu dürfen. Und Fiona muss eine Lösung finden, die nicht nur ihn sondern auch seine religiöse Welt beeinflussen wird.
Ich hab mich selber zuvor noch nie mit den Ansichten der Zeugen Jehovas beschäftigt. Ihre Einstellung zum Thema Bluttransfusion fand ich daher sehr befremdlich. Es war interessant zu sehen, wie Adam an seiner Meinung festhielt und dafür kämpfte. Das erste Zusamentreffen von Fiona und Adam im Krankenhaus war eine Schlüsselszene, die man nicht loswurde. Wie kann ein so intelligenter, aufgeweckter, junger Mensch so entschlossen sein zu sterben?

Die Szene hat nicht nur mich, sondern auch Fiona aufgewühlt, die ja ohnehin mit ihrem Hals ganz tief in der Tinte ihrer Gefühlswelt steckt. Wie geht man damit um, wenn einen der eigene Mann um die Erlaubnis für eine Affäre bittet? Für eine Richterin am Familiengericht, die jeden Tag über Scheidung und Sorgerechtsstreitereien urteilen soll doch eine ungewohnte Situation, mit der sie überhaupt nicht zurecht kommt.

 Das Ende
Ein knapp 200 Seiten dickes Buch in Anfang, Mitte, Schluss zu unterteilen, so wie man Lektüren und Aufsätze früher in der Schule auseinandergenommen hat, scheint hier nicht wirklich nötig. Denn zu Beginn steht man bereits mitten in der Geschichte und diese nimmt einfach ein viel zu plötzliches und unerwartetes Ende. Es gab Szenen im Buch, mit denen hatte ich fast gerechnet. Die letzten 30 Seiten hingegen kamen für mich sehr unerwartet. Als ich das Buch zuklappte klappte mir erst einmal der Mund auf und ich saß eine Weile bloß so da. Ich war geschockt. Weiter möchte ich das gar nicht kommentieren, um nicht zu viel vorweg zu nehmen. Es bleibt mir bloß zu sagen, dass diese kurze Lektüre immer wieder zum Nachdenken anregen wird und man noch lange nicht davon los kommt.

 Fazit
Dieses kleine Buch hat doch einen stolzen Preis, ist aber auf jeden Fall jede Seite wert! Wer gerne mal einen kleinen kulturellen Austausch lesen und sich über Gott und die Welt Gedanken machen möchte, macht hier überhaupt nichts verkehrt. Für mich war es ein großes Leseerlebnis!



Kommentare:

  1. Hallöchen Chrissi,
    ich bin schon ein paar Mal um das Buch herumgeschlichen und wusste nicht so recht, ob ich es jetzt lesen soll oder nicht. Ich habe Abbitte geliebt aber ich war mir nicht so sicher ob "Kindeswohl" auch etwas für mich wäre. Aber nach Mareikes Einschätzung und auch nach deiner muss ich es wahrscheinlich einfach lesen. Mir bleibt gar nichts anderes über. xD

    Liebst, Lotta

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    1. Als wenn du schon damit geliebtäugelt hast, dann solltest du es auf jeden Fall lesen.
      Es lohnt sich!

      Liebe Grüße

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