20 April 2015

[Rezension] Martin Olczek - Die Akademiemorde


Stockholm, im Mai: Im weltberühmten Hotel Berns Salonger hat man gerade Strindbergs 100. Todestag begangen. Die Festrede hielt der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie, ein würdiger Mann und ebenfalls angesehener Schriftsteller. Jetzt kurz vor Mitternacht ist er auf dem Weg nach Hause, durch einen abgeschiedenen Park. Hier trifft es ihn unvermittelt, das Schicksal. Hier wird er ermordet. Tatwaffe ist ein altertümlicher Schwarzpulverrevolver, der die Polizei vor Rätsel stellt. Noch bevor sie sich für eine Ermittlungsrichtung entscheiden kann, geschehen am nächsten Tag vier weitere, ebenso schonungslose Morde. Die Opfer: ebenfalls Mitglieder der Akademie, die für die Auslobung des jährlichen Literaturnobelpreisträgers verantwortlich ist. Was treibt den Mörder um? Klar ist, dass die anderen Akademiemitglieder geschützt werden müssen. Klar ist auch, dass hier konventionelle Methoden nicht weiterhelfen. Claudia Rodriguez von der Zentralen Mordkomission ermittelt auf eigene Faust – und gegen den Willen ihrer Vorgesetzten. Statt dessen bittet sie ihren alten Freund Leo Dorfman um Hilfe, einen Buchantiquar …

♣ Martin Olczak ♣ Die Akademiemorde ♣  btb ♣ 480 Seiten ♣  12,99 €

Mord im Umfeld des Buches. Für jeden Krimi- und Buchliebhaber eine provokative und reizvolle Mischung. Durch alte Legenden und die Welt der Akademie hindurch begleiten wir die Protagonisten auf einer abenteuerliche Reise. Doch um dem Geheimnis der Morde auf die Schliche zu kommen braucht man mehr als ermittlerische Fähigkeiten. Literarisches Fachwissen ist hier gefragt, um dann immer tiefer in die Geheimnisse eines Rachefeldzugs gegen die Akademie abzutauchen.

 Meine Meinung

Ein Krimi im literarischen Milieu, diese Idee fand ich äußerst spannend. Der Beginn der Geschichte mit der Feier zum 100. Todestag von August Strindberg schaffte gleich eine etwas altertümliche, nostalgische Atmosphäre. Das Buch hatte mich bereits nach den ersten 10 Seiten völlig in seinen Bann gezogen und war dann sehr schnell gelesen.

Hauptfigur Claudia Rodriguez ist eine interessante Gestalt, die als Ermittlerin zuvor in den Außenbezirken von Stockholm arbeitete. Der Kollege dem sie als Co-Ermittlerin zugeteilt wird, Hedlund, ist davon gar nicht begeistert. Er weist sie zunächst in ihre Schranken, was sich Claudia aber nicht gefallen lässt. Diese unmittelbaren Auseinandersetzungen fand ich amüsant und einfach toll. Sie fehlten mir aber in der Mitte des Buches etwas. Die angespannte Stimmung zwischen den zwei Ermittlern hätte der Autor meiner Meinung nach noch intensiver ausbauen dürfen.

Da alle Spuren irgendwie im Sand verlaufen, wendet sich Claudia an jemanden, der ihrer Meinung nach in den Ermittlungen noch fehlt: Ein Literaturexperte. So zieht sie ihren alten Freund Leo Dorfmann hinzu. Leo, Besitzer eines alten Antiquariates, ist wirklich sehr gebildet und weiß einfach eine Menge zur schwedischen Akademie, ihren Mitgliedern und Literatur. Er ist mir auf der Stelle sympathisch und fasziniert mich mit seinem Wissen, das er stets einfach so eben aus dem Ärmel zu schütteln scheint.

Das Buch war für mein Empfinden sehr liebevoll und detailliert recherchiert. Das fällt einem Vielleser sehr schnell auf und bereitet einfach eine unheimliche Freude beim Lesen. Zwischen den einzelnen Kapiteln wird immer ein Nobelpreisträger für Literatur vorgestellt, mit dem entsprechenden Gewinnerjahr und der Begründung wofür er den Preis erhielt.

Die Ermittlungen führen durch die Geschichte der Akademie, bringen einem alle Einzelheiten um die Vergabe des Literaturnobelpreises und was dahinter steckt in erzählender Weise näher, die sich für mich viel fester ins Gedächtnis setzt, als ein einfacher Sachtext.
Ich würde fast sagen es war ein rundum vollkommener Krimi, wenn mich nicht mal wieder das Ende der Geschichte ein wenig gestört hätte. Das letzte Drittel des Buches, vor der eigentlichen Auflösung aller Rätsel war mir an ein paar Stellen leider etwas zu weit hergeholt. Trotzdem fand ich den roten Faden mit vielen literarischen Hinweisen und Kniffen super gemacht.

 Fazit
Die Akademiemorde ist ein außergewöhnlich interessanter Krimi, mit vielen tatsächlichen Begebenheiten, die für mein Empfinden sehr gut recherchiert sind. Die Charakterkonstellation hat mir sehr gut gefallen. Abgesehen von einigen Stellen im letzten Drittel des Buches: top!


Vielen Dank an den btb Verlag für das Leseexemplar!

Kommentare:

  1. Huhu :)

    Ich habe mir das Buch ein paar Mal angesehen, aber so richtig überzeugt, dass ich es lesen möchte, hat es mich nicht. Allerdings bin ich auch kein großer Krimi- und Thriller-Leser...

    Liebe Grüße
    Emma

    www.emmibooks.blogspot.de

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    1. Hallo Emma,
      nicht jedes Genre ist für jeden etwas. Ich lese halt Krimis und Thriller unglaublich gerne (:

      Beste Grüße

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